Wein,- Obst- und Gartenbauverein Feuerbach gegründet 1881 e.V.

... über 125 Jahre Hand und Herz für die Natur


Geschäftsstelle: Vorsitzender Helmut Wirth * Linzer Str. 21 * 70469 Stuttgart * Tel.: 0711/ 81 41 32 * Fax: 0711/ 81 06 891

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Weinbau und Kelter Feuerbach

Daten aus Büchern Oswald Hesse, Gotthilf Kleemann und Vereinsarchiv

 

Die Kelter ist an diesem Platz seit Jahrhunderten in Betrieb.

Die Besonderheit der Kelter Feuerbach liegt an der Nutzung.

War im Mittelalter die Nutzung der Kelter durch die Herrschaften vorgeschrieben, entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts neue Strukturen. Bereits 1881 gründeten die Feuerbächer einen Weingärtner- und Güterbesitzerverein.

Die Folge davon, es entstand keine Weingärtnergenossenschaft. Die Feuerbächer Wengerter wollten gemeinsam etwas bewirken, jedoch frei in ihren Entscheidungen bleiben.  Es entwickelten sich dadurch verschiedene Verarbeitungsformen des Feuerbacher Weines. Es gab und gibt es noch:

Wengerter die alles zu Hause verarbeiten.

Wengerter, welche die Kelter nutzen und ihren Wein behalten und mit nach Hause nehmen

Wengerter, welche nach der Lese die Trauben abgeben wollen, diese haben sich den Weingärtner in Bad Cannstatt angeschlossen.

 

 

Aktuell:

Im Hebst 2011 benützten 28 Wengerter die Kelter.

Diese Wengerter bewirtschaften ein gutes Drittel der Feuerbacher Weinberge.

Das Durchschnittsmostgewicht beim Trollinger betrug 80 Grad Öchsle.

 

Historisch:

1075   Feuerbach erstmals schriftlich erwähnt

          Stiftung der Grafen von Calw an Kloster Hirsau

1229   bekam Bebenhausen Besitzungen in Feuerbach

1281   Verkauf von Weinberg an Bebenhausen

1308   Ein Teil von Feuerbach wird württembergisch

1365   gibt es 2 Keltern in Feuerbach,  80ha Weinbau

1477   Universität Tübingen gegründet, Feuerbach wird dorthin abgabepflichtig

1481    Feuerbach wird komplett württembergisch

1524    An dieser Stelle die große herrschaftliche Kelter

1661   hat Feuerbach 443 Einwohner

1789   wurde diese Kelter vom Württenbergischen Staat neu erbaut

1834   die Kelter wurde von der Gemeinde Feuerbach erworben

1850   gibt es fast 150 ha Rebfläche

1863   Chininfabrik Jobst ist das erste Industrieunternehmen in Feuerbach

1864   hat Feuerbach 3096 Einwohner

1900   hat Feuerbach 9032 Einwohner

1908   gibt es 106 ha Rebfläche

1945   im Krieg wurde die Kelter teilweise zerstört und

1946   wieder instand gesetzt

1974   1. Kelterfest  (immer am ersten Freitag nach dem 15. August)

1975   Platz vor der Kelter wird eingeweiht, vorher nur Rendlen Straße

1992   der WOGV übernimmt den Kelterbetrieb für die freien Wengerter

          zum Erhalt der Weinberge in Feuerbach und Umgebung 12 ha Weinbau

 

Weinbaukartei in Weinsberg       (Stand 2011)

 

Rebsorten welche in Feuerbach in der Lage Berg derzeit im Ertrag stehen.

Die bedeutendste Rebsorte ist der Trollinger mit 53 % auf 153 Flächen

Riesling mit 13 % auf 41 Flächen verteilt.

Lemberger kommt bereits an nächster Stelle mit 8,5 % auf 13 Flächen

Dornfelder und die recht alte Rebsorte Helfensteiner bringen es auf 8 %.

Der Kerner hat noch einen Anteil von 3 % und wird auf 8 Rebflächen angebaut.

 

Die restlichen Rebsorten liegen jeweils unter 3 % Anteil. Wir wollen diese jedoch mit aufzählen, da es sich um ein umfangreiches Sortiment handelt.

Es sind die Sorten:

 

  • Spätburgunder
  • Müller-Thurgau
  • Cabernet Franc
  • Regent
  • Blauer Zweigelt
  • Merlot
  • St. Laurent
  • Cabernet Dorsa
  • Monarch
  • Weißer Burgunder
  • Chardonnay
  • Gewürztraminer
  • Johanniter
  • Heroldrebe
  • Ruländer

 

In Feuerbach gibt es 21 Rebsorten - davon sin 18 Rebsorten im Ertrag.

Der durchschnittliche Wengert hat eine errechnete Rebfläche von 4,3 ar und nachdem wir 268 gemeldete Flächen haben gibt es ca. 11,5 ha Rebfläche im Ertrag.

 

Aus einer der zwei Keltern, bereits 1356 erwähnt, erwuchs an dieser Stelle die seit 1525 bekannte große Kelter. Diese wurde 1789 neu erbaut. Ein in dieser Größe zu dieser Zeit einmaliges freitragendes Sandstein-Gebäude ohne Stützpfeiler. Im zweiten Weltkrieg stark beschädigt, aber dank beherzter Honoratioren wieder hergestellt. Die jetzige Kelter ist somit bereits über 220 Jahre alt.

Bis zum Anfang dieses Jahrhunderts wurde die Größe der Keltern an den Kelterbäumen gemessen. Feuerbach besaß 1525 zwei Keltern mit insgesamt sieben Kelterbäumen.

Mit dem Einzug der Technik wurden die Kelterbäume zunächst durch Spindel- und später durch hydraulische Pressen ersetzt.

Bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren die hölzernen Presskörbe und auch die hölzernen Zuber und Bütten (Zuber ist oben breiter, Bütte ist unten breiter) sowie die hölzernen Raspeln im Einsatz.

Das Holzwerk musste rechtzeitig vor dem Herbst gewässert werden (6 bis 8 Wochen) und der Wasserverbrauch war enorm.

In den Siebziger Jahren wurden die Zuber auf Kunststoff umgestellt. Im Gegensatz zu den Weingärtnergenossenschaften gibt es bei uns keine Einheitsgröße. Die Zuber sind an den Erfordernissen der einzelnen Wengerter ausgerichtet.

1980 wurde die kleine Presse in der Kelter durch eine Horizontal Weinpresse Marke Vaslin ersetzt. Damals wurde der Kelterbetrieb noch von der Stadt bewältigt, die Presse wurde durch eine Spende durch den Verein finanziert wie so viele der erforderlichen Geräte direkt angeschafft wurden.

Mit dieser Presse können 250 bis 300 kg frischer Maische (d. h. Weißwein oder Weißherbst) in 1,5 Std. gepresst werden. Bei gegorener Maische können bis zu 620 kg in 2 Std. gepresst werden (Trollinger).

1989 wurde die alte hölzerne Raspel durch eine neue Edelstahlraspel ersetzt.

Außerdem wurde 1989 eine Howard Rotapress Pneumatik angeschafft. Bei dieser Presse wird der Trester mit einem Luft gefüllten Pressbalg gepresst. Es können kleinste Mengen und bis zu 1200 l in dem Presskorb eingefüllt werden.

Seit dieser Zeit haben auch in Feuerbach die hydraulischen Pressen ausgedient und nur die große Presse blieb als Anschauungsstück stehen.

1990 wurde der Kelterbetrieb erstmals vom Verein durchgeführt.

1991 wurde noch eine Speidel Hydropresse angeschafft. Mit ihr können Kleinstmengen von 10 l bis 90 Liter gepresst werden. Durch einen Gummibalg, der mit Wasser gefüllt wird, drückt es den Trester an das Edelstahl Sieb und der Saft wird durch die Sieblöcher gepresst.

1992 übernahm der Verein durch eine ganzjährige Pacht auch den kompletten Kelterbetrieb. Mit der Übernahme wurde auch alles bewegliche Inventar von der Stadt erworben.

 

Alle Keltern haben nur wenige Wochen im Jahr Aktivität

  • Geschirr gehört den Wengerter
  • Einrichtung und Installation dem WOGV
  • Der Stadt Stuttgart das Gebäude

Heute benutzen noch ca. 30 Feuerbächer bzw. auswärtige  Wengerter die Kelter.

 

Betrieb

Die Kelter benutzen Wengerter die sich nicht einer Genossenschaft angeschlossen haben. Dies hat den Vorteil oder Nachteil, dass sie ihren Wein selbst vermarkten müssen. In jedem Fall behalten sie jedoch ihren Wein, es wird nichts zusammengemischt.

Für einen reibungslosen Ablauf ist es erforderlich, dass sich jeder Kelterbenutzer anmeldet wenn er die Kelter benützen will.

In der Reihenfolge der Ankunft am Lesetag wird geraspelt, d.h. die Traubenbeeren werden von den Kämmen und Stielen mit der Raspel getrennt.

 

Kelter_4

Wengerter beim raspeln
 

Danach kommt die Maische in die eigenen Zuber.

Jedem Wengerter wurde ein Zuberplatz zugewiesen.

Bei den Plätzen die derzeit leer stehen, befinden sich die Zuber noch bei den Besitzern im Weinberg um das Lesegut aufzunehmen oder in deren Lager.

Die Zeit, welche die Maische in den Zubern bleibt zum Gären und Farbstoff der Häute aufzunehmen ist von der Rebsorte und dem gewünschten Wein abhängig.

Für Weißwein und Weißherbst ca. 10 Stunden bis zu einem Tag.

Für Rotwein und Schiller mind. 3 - 4 Tage bzw. auch mehr wie eine Woche.

Dort muss sich ein Maischekuchen bilden der sich hoch schafft.

Wichtig ist, dass der Zuber nicht zu voll und auch nicht zu leer ist. Wenn der Zuber vor der Gärung zu voll gefüllt wird, läuft er durch die Gärung über. Befindet sich zu wenig Maische im Zuber, sollte ein kleinerer Zuber gewählt werden sonst kommt die Gärung nicht richtig in Gang.

Die Maischegärung ist bei uns seit Jahrhunderten üblich. Durch diese wird der Wein wie nach alter Väter Sitte ohne Hocherhitzung (wie heute bei Genossenschaften üblich) vergoren.

Nach dem Gären kommt der Wein auf die Presse.

Der dann entstandene Rohwein geht zum weiteren Ausbau zu den einzelnen Wengertern nach Hause oder sie verkaufen den Rohwein an Weinhändler, in den letzten Jahren an die Fa. Kern.

Daraus folgt, dass der Maische vergorene Wein nur bei den Wengerter oder bei Fa. Kern bzw. Firma Streng welche Weine vermarktet zu kaufen ist.

Diesen in der Feuerbacher Kelter, Maische vergorenen Wein gibt es in den Besenwirtschaften:

dr' Emil, Kornvogel und Ulmer.

 

Im Jahre 1978 gab der WOGV an die herausragenden Feuerbacher Kunstmaler  des 20. Jahrhunderts Richard Albrecht (geb.15.5.1902 – verst. 8.12.1994) und Horst Bulling ( geb. 24.1.1933 – verst.2.12.2007) den Auftrag die Feuerbacher Weingeschichte in 12 Wandtafeln wieder zu geben. Die Tafeln sind künstlerisch und nicht immer ganz historisch.

 

Die beiden Kunstmaler, Ehrenmitglieder des WOGV haben jahrzehntelang die  Kelterfestkarte mitgestaltet. Richard Albrecht war auch Wengerter und hat hier in der Kelter seinen eigenen Wein gekeltert.

 

Tafeln_1

 

Die erste Tafel zeigt besonders den künstlerischen Ausdruck. Von rechts nach links: vorchristliche Bewohner, Germanen und das Mittelalter, dazu 1000 Jahre Weinbau. Die Zusammensetzung spiegelt Funde in Feuerbach wieder, jedoch nicht den Weinbau.

Erwähnt wird der Weinbau in unserer Gegend ab 800 in Bad Cannstatt.

 

Schriftlich ist der Weinbau in Feuerbach 1281 durch den Verkauf von einem  Weinberg an Bebenhausen dokumentiert. Der Weinbau ist sicher älter, die 1000 Jahre sind eine Annahme. Mit dem Weinbau ist zwingend eine Kelter erforderlich. Seit 1524 steht an diese Steller die große herrschaftliche Kelter.

 

 

Tafeln_10

Drei Keltern sind 1336 sind in Feuerbach zu dieser Zeit nicht nachweisbar.

2 Keltern und die 80 ha Rebfläche sind historisch bewiesen.

 

 

Tafeln_3

Hier hat sich ein historischer Fehler eingeschlichen. Richtig wäre die Jahreszahl 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen 5. September 1634.

 

Vom 1. September 1634 bis zum 16. August 1635 gab es keinen Eintrag im Kirchenbuch,

 

In dieser Zeit waren die Feuerbacher geflohen. Feindliche Heere hatten Feuerbach zerstört und die Bevölkerung entkam nur teilweise durch Flucht vor den Soldaten und Räuberbanden.

 

Siehe Feuerbächer Geschichtsblätter Heft 4

 

Tafeln_6

 

Begann 1863   Chininfabrik Jobst als erstes Industrieunternehmen

 

 

Tafeln_8

 

Der Hirschbrunnen war als einziger Röhrenbrunnen die bedeutendste Wasserstelle. Sie stand in der Marktstrasse, heute Klagenfurterstrasse und wurde erstmals 1680 schriftlich erwähnt. Als einer der älteste Brunnen wurde der Merzenbrunnen  bereits 1451 erwähnt. Mit Einführung der Wasserversorgung in jedes Haus 1895 haben die öffentliche Brunnen an Bedeutung verloren. Fast 40 Jahre gab es keinen Brunnen an dieser Stelle. Der derzeitige Brunnentrog wurde 1978 an der Weinbergmauer in der Hohewart abgebaut und hier neu aufgebaut.

 

 

Tafeln_12

 

Auf dieser Tafel kann man die Vorstandschaft des WOGV bei der  Gründung des Kelterfestes sehen. Vorsitzender Karl Munz als König, Schriftführer Karl Nagel mit weißem Haar, Rechner Heinz Weidle und mit der Brille der stellvertretende Vorsitzende Fritz Steixner.

 

 

Tafeln_11

 

Die Feuerbächer, die Feuerbacher ond die Leut von drom rom feiern auf dem Kelterfest.

Links hinten das „neue“ Rathaus Baujahr 1907-1909, rechts die Kelter.

 

 

Tafeln_9

 

Diese Bild wurde nur von Horst Bulling gemahlt, das Grundmotiv

entspricht dem Etikett auf unseren derzeitigen Weinflaschen

 

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